so fing alles an

 

Auszug - Zeitungsartikel
vom 24. Februar 2011 der SVZ
(etwas gekürzt)
                                                                                                
"Ach, das hatten wir auch in der Küche" - gemeint ist die abklappbare Abwäsche mit den beiden Schüsseln. "Und hier, diese Schleuder, die kenn ich auch noch - und dort der Staßfurt Fernseher."

Elke Meyer aus Schildfeld kennt diese freudigen Begegnungen vieler Besucher mit dem einst praktischen oder manchmal auch unpraktischen DDR-Alltag. Sie hat sich zusammen mit ihrer Familie in Schildfeld ein kleines DDR-Museum eingerichtet. Eigentlich, so berichtet die  leidenschaftliche Sammlerin, begann alles recht kurios: Als in unmittelbarer Nähe ihres Hauses nach der Wende in Schildfeld der Konsum abgerissen wurde, rettete sie verschiedene Gegenstände. Sie fuhr 1995 mit einer vollen Ladung im Kofferraum nach Lenzen bei Dömitz. Dort wusste sie, gab es ein Konsum-Museum. Hier lieferte sie die "Schätze" aus Schildfeld ab. Später, im Jahr 2000 wollte sie erneut Sachen für das Museum abgeben - da stand sie vor verschlossenen Türen.

Pech für Lenzen - Glück für Schildfeld. Auf der Rücktour nach Schildfeld sah sie abgelegt für den Sperrmüll eine alte Konsumwaage. "Da kam die Idee - warum sollen wir nicht auch zusammentragen, was uns im Haushalt zu DDR-Zeiten begleitete."

Begonnen hat es eigentlich mit dem Puddingpulver von Rotplombe. Die kleinen Tütchen hob sie über die Jahre auf und dazu gesellte sich Ata, Spee, Möbelpolitur usw.. Wer von ihrer Leidenschaft wusste, brachte, was er noch hatte. So konnte die Familie für die Sammlerleidenschaft ab 2003 die erste Etage in der Mühle für eine Ausstellung nutzen. Dann hatten auch Besucher die Möglichkeit, sich an Tagen der offenen Tür in der Mühle diese Ausstellung anzusehen. 2009 nahm die Familie ihre Schätze auf das eigene Grundstück. 2010 eröffneten sie hier ihr kleines DDR-Museum, mit dem sie vielen Menschen, nicht nur den älteren, Freude bereiten.

"Es ist schön, dass man auf diesem Weg die Erinnerungen wieder auffrischen kann", schrieb ihnen eine Besucherin oder "Wir sind in Kindheits- und Erwachsenzeiten versetzt worden und bekamen ein bisschen Heimweh", heißt es in einer Eintragung im Gästebuch. In einem anderen Schreiben bedankten sich Besucher dafür, dass die vielen Gegenstände hier sorgfältig aufgehoben werden. 

"Ich denke, mit meiner Sammelleidenschaft kann ich ein Stück DDR-Alltagsgeschichte erhalten. Das alles gehörte einmal zu unserem Leben. Die Gegenstände für die Nachwelt aufzuheben, das ist mir wichtig", ist Elke Meyer überzeugt. Natürlich macht es neben ihrer beruflichen Tätigkeit viel Arbeit. Die Familie unterstützt sie nach Kräften beim Reinigen der Gegenstände und auch beim Reparieren. Offen hat das kleine Museum zu Ostern, zu Pfingsten sowie im August, September und Oktober jeden ersten Sonntag im Monat. 
von Brunhilde Schmidt
 
Auszug - Zeitungsartikel
vom 01. Juni 2012 der SVZ
 

Buntes aus Plaste und Elaste

 

"Kommen Sie herein. Hier gibt es West-Kaffee und leckeren Ost-Kuchen", sagt Otmar Haas. Er sitzt in einem plüschigen Sofa unter der Fransenlampe und nippt am Kaffee. Der Mann aus Grabow ist auch nur Gast. Er will sich an diesem Nachmittag in dem "Kleinen DDR-Museum" auf Meyers Hinterhof aber nicht nur umsehen. Er hat Museumsleiterin Elke Meyer auch etwas mitgebracht. Eine Omega-Teppichklopfmaschine.

"Die hat mir meine 83-Jährige Nachbarin mitgegeben, weil sie nicht mehr so gut funktioniert." Ein Blick auf den großen grünen Staubsauger und die Erinnerungen sind da. "So geht es vielen Gästen", erklärt Elke Meyer. "Sie entdecken etwas und fangen dann an zu erzählen." Gesprächsthemen gibt es genügend - man muss sich nur umsehen. Auf dem Holztischchen neben Otmar Haas steht ein graues DDR-Telefon mit Wählscheibe. "Das war vor vierzig Jahren mal richtige Luxusware", sagt er. "Wer das hatte, war bestimmt Funktionär oder bei der Stasi. Oder er wohnte in der Hauptstadt."

Tausende große und kleine Alltagsgegenstände aus der DDR hat Elke Meyer aus Schildfeld über die Jahre angesammelt. Vom klobigen Elektroherd bis zu dem beliebten kleinen Plastik-Eislöffel mit den eingestanzten Vornamen. "Ich kann einfach nichts wegwerfen", sagt sie. "Das ist doch ein Teil unserer Vergangenheit." Die vielen Einträge im Gästebuch des Museums geben ihr Recht. "Danke", schreibt eine Besucherin. "Sie haben mich in meine Kindheit zurückversetzt. Und für meine Kinder ist das hier Anschauungsunterricht pur."

Angefangen hat alles Mitte der 90er - als Elke Meyer in ihrem Küchenschrank ein abgelaufenes Päckchen Puddingpulver von Rotplombe fand. "Das war ein merkwürdiges Gefühl, denn der Pudding war längst aus den Einkaufsregalen verschwunden", sagt sie. Seitdem wird im Hause Meyer gesammelt. Schallplatten, Bummi-Hefte, Tempolinsen-Schachteln, Orwo-Filme, Einweckgläser, Blümchenbadekappen, Einkaufsnetze, Kittelschürzen, Butterpapier, Aluminumgeld... Die leichten Geldstücke und Farbkopien von DDR-Geldscheinen bewahrt Elke Meyer in einer fast schon historischen Konsumkasse auf.

"Meine Frau ist der treibende Keil beim Aufbau des Museum", sagt Wernfried Meyer. "Wir helfen ihr aber gern." Zu Pfingsten hat er für die Besucher gegrillt, Tochter und Schwiegersohn haben selbstgebackenen Kuchen verkauft. Auch den Anbau für das Museum hat Wernfried Meyer allein gestemmt. Und wenn seine Frau mehr Platz braucht, dann baut er ihr auch noch eine Treppe ins Dachgeschoss.

von Katharina Hennes

 

Auszug - Zeitungsartikel

vom 24.09.2016 der SVZ

 

 

4000 x Geschichte zum Anfassen

 

Über ein Vierteljahrhundert nach der politischen Wende sind viele Zeitzeugen aus dem Alltagsleben der einstigen DDR längst in Vergessenheit geraten. Die Nachwende-Kinder sind bereits erwachsen. Ihnen die 40 Jahre Arbeiter- und Bauernstaat dennoch nahe bringen zu wollen, die guten, wie die schlechten Erfahrungen, das hat sich Elke Meyerzur Lebensaufgabe gemacht.

In ihrem kleinen DDR-Museum hat die gelernte Zootechnikerin-Mechanisatorin für Milchproduktion und heutige Verkäuferin über 4000 Exponate zusammengetragen. Es gehe ihr keinesfalls um die Glorifizierung einer Epoche, stellt die Schildfelderin klar. „Mir tat es einfach nur leid, dass so vieles auf dem Müll gelandet ist. Schließlich war das doch einmal unser Leben.“ Wer sich selbst einmal ein Bild von der liebevoll angefüllten Stätte machen möchte, könne das Ostern, Pfingsten, jeden ersten Sonntag im August von 13 bis 18 Uhr tun. Sonst müsse mit Elke Meyer ein Termin über Telefon 038843-21540 vereinbart werden.

SVZ-Redakteur Thorsten Meier beantwortete die 52-Jährige die beliebten Fragen zum Wochenende. Inmitten all der Dinge, die eine Zeitreise möglich machen. Als Geschichte zum Anfassen. Das Besucherbuch ist der Beweis dafür, dass viele Neugierige sich gern erinnern oder informieren lassen. Um sich einen Eindruck zu verschaffen von einer Zeit, die unter anderem von Mangelwirtschaft, Tauschgeschäften, Bückware und kreativen Tüfteleien geprägt war. Aber auch von politischer Gängelei, Stasi-Spitzeleien, Planwirtschaft sowie fehlender Presse-, Meinungs- und Reisefreiheit. Und einer fragwürdigen, leider heute immer noch gern beschworenen Solidargemeinschaft, die jedoch oft nur der Not gehorchend, funktionierte. Um im nicht selten tristen DDR-Alltag nicht völlig zu verzweifeln.

 

Artikel und Foto von Thorsten Meier


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